Liebe Lindauer, 

schweren Herzens muss ich Ihnen mitteilen, dass mir für die Saison 2020, keine Genehmigung zum Befahren meines Haltepunktes, von der Stadt Lindau erteilt wurde. Die Möglichkeit mein Insel-Bähnle weiter zu betreiben wurde mir somit genommen. 

Diese Genehmigung, welche 2014 zum ersten Mal erteilt und seither jedes Jahr (meist erst Ende Februar) problemlos verlängert wurde, war für die aktuelle Saison 2020, an eine Bedingung geknüpft. In einem Schreiben der Stadt vom 13.02.2019 wurde ich darauf hingewiesen, dass ab Mai 2020 eine Verlängerung der Ausnahmegenehmigung nur noch für eine Lok mit Elektroantrieb erfolgen würde. 

Ende Januar habe ich der Stadt Lindau eine Bestellbestätigung für eine neue Elektrolokomotive vorgelegt, welche ich bereits mit einer Summe von 50.000€ angezahlt hatte. Einige Tage später habe ich also eine erneute Ausnahmegenehmigung zum Befahren meines Haltepunktes mit einem elektrisch betriebenen Bähnle beantragt.

Zu dieser Zeit hatte ich auch zum ersten Mal von Herrn S. aus Lindenberg erfahren, der wie ich, einen Antrag auf Ausnahmegenehmigung zum Befahren meines Haltepunktes bei der Stadt Lindau eingereicht hat. In einem Gespräch mit Herrn S. habe ich von selbigem erfahren, dass ein gewisser Herr G., ihm von eventuellen Verkaufsabsichten meines Betriebs berichtet hatte.

Herr G., der als Firmenkundenbetreuer bei der Sparkasse Lindau arbeitet, habe ich einige Monate vorher kennengelernt, da er mich im Herbst 2019 kontaktiert und ein Kaufinteresse an meinem Betrieb „Insel-Bähnle“ bekundet hat. Ich traf mich mit Herrn G., um über einen möglichen Verkauf meines Betriebs zu sprechen. Da sich Herr G. als neutraler Firmenkundenbetreuer präsentiert hat, habe ich ihm die relevanten Informationen über meinen Betrieb offen gelegt. 

Scheinbar wurden diese Informationen an Herrn S. weitergereicht, der daraufhin selbst einen Antrag bei der Verkehrsbehörde der Stadt Lindau gestellt hat.

Wofür und wie genau Herr S. diese Informationen genutzt hat, kann ich nicht mit Gewissheit sagen, jedoch bin ich der Meinung, dass er kein Anrecht auf diese hatte, da sie ihm einen potentiellen Vorteil verschaffen konnten. Ganz zu schweigen von der Tatsache, dass ich davon ausgegangen bin, dass Herr G. diese Informationen vertraulich und professionell behandeln würde. 

In einer öffentlichen Stadtratssitzung am 27.02.2020 wurden von der Stadt die maßgeblichen Kriterien vorgestellt, unter welchen eine Erteilung einer Ausnahmegenehmigung stattfinden könne. Diese Kriterien umfassen, dass die Fußgängerzone so wenig wie möglich gestört werden und kein Konflikt mit dem Verkehr bestehen solle. 

Am 28.02.2020, also weniger als 24 Stunden später, bekam ich einen Bescheid der Stadt, der sieben Seiten umfasste und mich darüber informierte, dass mein Antrag abgelehnt wurde und dies mit sehr zweifelhaften Gründen rechtfertigte. 

Die Stadt erteilte die Genehmigung an Herrn S., da dieser beabsichtigt nur mit einem Anhänger zu fahren und die oben genannten Kriterien der Stadt somit besser erfüllen würde.

Das bedeutet, dass ich von der Bekanntgabe der Kriterien, bis zur Ablehnung meines Antrags weniger als einen Tag Zeit hatte, um auf diese zu reagieren. Ich hatte also keine Möglichkeit anzubieten, dass auch ich dafür sorge tragen könnte, dass die Verkehrslast durch mein Bähnle reduziert wird. 

Da mein Antrag für ein E-Bähnle bereits am 21.01.2020 bei der Stadt Lindau einging, hatte diese somit ca. einen Monat lang Kenntnis über zwei Bewerber, die beide mit einer E-Lok fahren würden.
Das heißt die Stadt hatte die Wahl zwischen mir, dem Gründer und Betreiber des Insel-Bähnles, das ich seit nunmehr 6 Jahren zufriedenstellend führe und einem neuen Bewerber, dessen einziger ersichtlicher Vorteil in der Absicht besteht, nur einen Anhänger für seine Lok zu verwenden.

Aus langjähriger Erfahrung weiß ich, dass die Reduzierung der Hängerzahl nicht zu einem kleineren Wendekreis führt, da vorrangig die Länge der Lok und des einzelnen Anhängers von Bedeutung sind. Das bedeutet, dass der zwar einzelne, aber dafür vermutlich längere Anhänger von Herrn S., diesbezüglich überhaupt keinen Vorteil bieten würde. Außerdem wurde die damit reduzierte Kapazität für Fahrgäste, von der Stadt nicht mit einbezogen. Diese wird nicht nur dafür sorgen, dass größere Gruppen möglicherweise nicht mehr mitfahren könnten, sondern auch die Klimabilanz der Lok vermindern, da der Pro-Kopf-Verbrauch an CO2 für den einzelnen Fahrgast steigt. 

Weitere Ausführungen über die (Un-)sinnigkeit der geforderten Kriterien würden hier jeglichen Rahmen sprengen. Daher möchte ich an dieser Stelle auf die Dinge eingehen, die meiner Meinung nach wirklich relevant, für die Stadtverwaltung aber scheinbar nicht von Bedeutung sind. 

Ich führe meinen Betrieb seit vielen Jahren zufriedenstellend und ohne nennenswerte Konflikte mit der Stadt Lindau, den Fahrgästen oder dem Verkehr. Dass ein bereits langjährig bestehender, gut geführter Betrieb, aufgrund einer angeblich besseren Erfüllung, kurzfristig verfasster Kriterien, aufgelöst werden soll, entzieht sich komplett meinem Verständnis von Sitte und Anstand. Besonders im Bezug auf die Tatsache, dass die Stadt Lindau mir keine faire Chance gegeben hat, mich diesen Kriterien anzupassen, oder zu beweisen, dass ich diese bereits erfülle.

Mein Betrieb ist meine Lebensgrundlage.
Er stellt meine primäre Einkommensquelle dar und ist somit nicht nur die finanzielle Sicherheit für mich und meine Familie verantwortlich, sondern kommt auch für laufende Kosten auf, die sich durch Führung dieses Betriebs ergeben. Vorrangig laufende Kredite, die ich dafür aufnehmen musste. Hierzu gehört auch der Kredit für ein neues Elektrobähnle, das mir die Stadt Lindau als Bedingung für die Weiterführung meines Betriebs genannt hatte. Dass sie mir diese Bedingung überhaupt genannt hat, ließ mich glauben, dass sie die Absicht hatte mir die Genehmigung wieder zu erteilen. 

Das man mir diese trotzdem nicht erteilt hat, obwohl ich allen Forderungen nachgekommen bin und eine, für mich riesige, Investition für ein umweltbewusstes Bähnle getätigt habe, bedroht meine Existenz und ist für mich in keiner Weise nachvollziehbar.

Ich werde nicht kampflos aufgeben und mit der Hilfe von Freunden und meiner Familie, alles in meiner Macht stehende tun, um das Insel-Bähnle zu erhalten und auch noch viele Jahre, Gästen und Touristen die wirklich schönen Seiten der Stadt Lindau zu zeigen! 

Allen die hinter mir stehen, ein herzliches Dankeschön!
Besonders hervorheben möchte ich hier unseren früheren Bürgermeister Herr Jürgen Müller, der sich als Stadtrat für mich eingesetzt hat.

Peter Friedrich

 

Nachtrag vom 10.03.2020:

Wegen des Vorwurfs der Stadt, ich hätte seit 2017 gewusst, dass ich meinen Betrieb auf Elektro umstellen muss und hätte dies immer verzögert, möchte ich klar stellen:
Wie oben bereits geschrieben, bekam ich Seitens der Stadt am 13.02.2019 die Forderung, dass ab dem Mai 2020 nur noch mit Elektroantrieb gefahren werden darf. Dies wurde Seitens der Stadt bereits 2017 kommuniziert und war mir natürlich bewusst.
Was allerdings falsch ist, ist die Anschuldigung von Herrn Widmer (Pressesprecher der Stadt Lindau), dass ich die Umstellung auf einen Elektroantrieb immer wieder verzögert hätte. Da die Frist für den Mai 2020 angesetzt wurde, war die Anschaffung eines E-Bähnles vor 2020 weder rentabel, noch gefordert. Ich habe meinen Antrag also Fristgerecht gestellt und daher kann von einer Verzögerung hier nicht die Rede sein. Hinzu kommt, dass mein Kredit für die Diesellok noch nicht einmal abgezahlt war und ich mir diese Anschaffung vor 2020 schlichtweg nicht leisten konnte.  Die Frist habe ich also eingehalten und bereits vier Monate vor deren Ende einen Antrag für ein elektrisch betriebenes Bähnle eingereicht. Von Seiten des Staates wurde mir für das Jahr 2020, durch das Förderprogramm „Bundesförderung – Elektromobilität“ ein Zuschuss von 50.000€ bis 60.000€ für den Kauf eines E-Bähnles in Aussicht gestellt, was wohlgemerkt ca. 35% des Kaufpreises für das neue Bähnle darstellt.

Ja, ich habe am 10.01.2020, zwei Wochen vor meinem Antrag für ein elektrisch betriebenes Bähnle, nochmals einen Antrag für meine bisherige Diesellok gestellt, jedoch mit der Absicht schnellstmöglich auf Elektroantrieb umzusteigen. Dafür gab es auch einen guten Grund, den die Stadtverwaltung bisher verschwiegen hat:
Die eben genannte Förderung wurde zeitlich verschoben, weshalb ich für diese große Anschaffung bei der Stadt um einen Aufschub gebeten hatte, so dass ich diese staatliche Förderung in Anspruch nehmen könnte. Es war also einfach nur meine Absicht ein Förderprogramm zu nutzen, das mir diese Großinvestition erleichtert hätte und nicht, wie Herr Widmer mir vorwirft, ein Versuch die Stadt „an der Nase herumzuführen“. Als ich später erfuhr, dass mein Mitbewerber bereits einen Antrag für ein elektrisch betriebenes Fahrzeug gestellt hat, habe ich den zeitlichen Ernst der Lage erkannt und nun auch einen Antrag für eine E-Lok eingereicht, wohl wissend, dass ich nun aus Zugzwang auf die staatliche Subvention verzichten musste.